Vom Glück zu dritt

Ich durfte letzte Woche Katrin und ihren Mann zur Geburt ihres dritten Kindes begleiten. Diese Woche darf ich ihre Erfahrungen mit euch teilen. Passend zur #Worlddoulaweek. Das freut mich sehr.

Katrin kenne ich schon lange. Sie war mit ihren beiden grossen Kindern in meinen Fabel-Kursen. Und irgendwann trafen wir uns auch privat und eine schöne Freundschaft entstand.

Katrin vertraute mir irgendwann an, dass sie sich sehr unsicher ist und auch Angst hat, vor dem was kommt. Egal ob es ein Kaiserschnitt war oder die Idee spontan zu entbinden. Deshalb bot ich ihr meine Begleitung an.

Bis das Baby tatsächlich kam, war ich 3 mal bei den beiden gewesen. Immer wieder haben die Wehen nachgelassen und es hiess wieder: warten.

Aber alles war entspannt. So entspannt man eben sein kann.

Letzte Woche wurde dann endlich Joa geboren und ich freue mich sehr für die ganze Familie. Auch für die zwei grossen Geschwister. Für die lieben Grosselter, die sich um die zwei gekümmert haben.

Hier nun der Bericht:

Meine erste Geburt war ein geplanter Kaiserschnitt. Mein Sohn lag in der Beckenendlage und auch eine äußere Wendung hat nicht mehr funktioniert. Für mein Mann und mich stand also fest, kein Risiko einzugehen. 

Ich habe diese Entscheidung nie bereut, so wie ich nie Entscheidungen bereue, weil sie in diesem Moment sich einfach richtig anfühlen. Dieses Gefühl kann man danach nicht erklären.

Meine 2. Geburt sollte eine Spontangeburt werden. 

Nachdem ich 7 Tage über dem Termin und das Wochenende voller Bangen war, weil ich mein Kind nicht mehr gespürt habe, stand mein Entschluss fest montags ins Kh zu fahren und Einleiten zu lassen. 

Dass es meinem Sohn sein 2. Geburtstag war, war mir egal. 

Mein Mann stand hinter meinem Entschluss. Einzig die Hebamme meinte nach dem CTG, wir könnten noch eine Weile warten. Aber genau das wollte ich nicht mehr. 

Nicht mehr morgens aufwachen und den ganzen Tag hoffen, ein kleines Lebenszeichen zu spüren an diesem Tag – es war Hochsommer und sehr heiß.

Ich ließ Einleiten und hatte eine viertel Stunde später den Blasensprung.

Die Kurzversion: Nachdem ich über 8 h Wehen hatte, der Muttermund bei 8 cm war, haben sich die Wehen schlecht auf das Kind ausgewirkt. Wir entschieden uns für einen Kaiserschnitt. 

Eine gute Entscheidung, die Naht der 1. Sectio war sehr dünn, zu dünn vielleicht für Presswehen.

Meine Tochter war das Geburtstagsgeschenk für meinen Sohn.

Die ganze Zeit über wich mein Mann nicht von meiner Seite, er fühlte sich teils überfordert und alleine gelassen und ich kann mich nicht mehr erinnern.

Vor 7 Tagen kam mein 3. Kind zur Welt. 

Eigentlich, laut Schulmedizin, hätte ich einen geplante Sectio bekommen sollen. Aber das wollte ich nicht. 

Kein Schicksal spielen und einfach einen Termin raussuchen.

Wehen bekommen und wissen, mein Kind ist reif und bereit auf diese Welt zu kommen. Das war mein Wunsch – ein hoch gegriffener Wunsch angesichts meiner Vorgeschichte. 

Meine Gynäkologin ließ mir meinen Wunsch und meine Hebamme war begeistert.

Mein Mann unterstütze wieder, diesmal nicht ganz so überzeugt, er hatte Angst um mich und das Kind. 

Doch dann kam eine liebe Freundin, sie ist Doula, aber für mich eine gute Freundin, sie bot uns an, mit uns ins Kh zu gehen und auch schon davor für uns da zu sein. Somit waren gute Voraussetzungen für meinen Wunsch getroffen.

Jetzt noch ein Kh finden, dass meinen Wunsch mitträgt. Auch das hat sich gefunden und zwar in einem schulmedizinischen (!) Krankenhaus.

Dem Oberarzt gefiel mein Wunsch, wir einigten uns, dass sie als Ärzte das letzte Wort haben werden und ihre Entscheidungen nicht verhandelbar sind. Damit konnte ich leben, es war mein Wunschkrankenhaus und mir war klar, welch Risiko sie mit mir eingingen. Das war ein großes Zugeständnis.

Die Wehen kamen und gingen, meine Freundin kam und ging.

Es war Dienstagabend und es ging los. Muttermund war zu Beginn 3 cm offen. Nach mehreren Stunden Wehen, es war total entspannt, die Atmosphäre im Kreisssaal. Mein Mann war entspannt, weil er wusste, wie helfen konnte und er nicht das Gefühl hatte, mich alleine zu lassen, wenn er sich kurz zurückzog. Wir haben gelacht und uns entspannen können, dank der Doula oder besser unserer Freundin.

Irgendwann, nach Stunden, war der Muttermund immer noch bei 3 cm, die Wehen heftiger und es wurde die Wanne befüllt. 

In meinem Kopf war bereits der Wunsch nach einem Kaiserschnitt vorhanden, aber laut aussprechen konnte ich ihn noch nicht. Ich wollte einen Spontangeburtsversuch und weder meinen Mann noch meine Freundin enttäuschen – bescheuert?!

Aus der Wanne war ich zügig wieder draußen. Mein Kind wurde schlecht unter den Wehen und die Ärzte nahmen mir die Entscheidung ab – Kaiserschnitt.

Und wieder war die Naht an der Gebärmutter zu dünn für Presswehen.

Und wieder war es die richtige Entscheidung. 

Meine Doula war immer an meiner Seite und ich hatte einen wunderschöne Geburt. 

Hört sich komisch an, aber auch ein Kaiserschnitt ist eine Geburt und ein Kaiserschnitt kann schön und entspannt sein. Trotz „Notsectio“ waren das Op-Team nicht gestresst, alles lief ruhig ab. Mein Mann durfte die Nabelschnur kürzen und hatte ein, für ihn besonderes, Erlebnis mit einem kurzen Blick auf den Op-Bereich. Eigentlich ein No-Go. 

Meinem Sohn und mir geht es gut – das ist das Wichtigste. 

Wieder bereue ich diese Entscheidung nicht.

Und ich kann nur sagen, dass dies meine schönste Geburt war – nicht zuletzt deswegen, weil uns eine Freundin beistand. 

Drei Kaiserschnitte und drei wunderbare gesunde Kinder sind für uns genug. Wir sind dankbar und selig.

Und ich glaube, dass uns sowohl meine Tochter, als auch mein kleiner Sohn durch ihre Verschlechterungen während der Geburten sagen wollten:

„Holt mich raus bevor meine Mama pressen muss!“

Danke liebe Mika,

Deine Katrin

 

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