Und Tschüss-der letzte Gang

Letzten Freitag war mein offiziell letzter Tag im Christophsbad. Meiner alten Heimat, dem Krankenhaus.

Ich habe es 3 Monate dort wieder versucht und mich nicht wirklich zuhause gefühlt. Die erste Zeit war schwierig. Schwierig wieder rein zu kommen in die Arbeit. In die Verantwortung als Vollkraft mit 25%. Meinen Patienten und Kollegen gegenüber habe ich mich damit nicht wirklich wohl gefühlt. Mir selbst konnte ich damit nicht gerecht werden. 

Ich habe 2 Monate gebraucht um mich wieder in den Abläufen zu finden. Und dann kam der Moment, wo ich doch wieder ein Stück Heimat gefunden habe. Und dann war meine Zeit auch schon um. Und irgendwie war ich auch froh darüber. 

Heute war mein letzter Gang. Ich habe eine Austrittsliste bekommen. Mit Dingen, die ich zu erledigen habe. Sie war lang, 14 Punkte standen drauf wie Dienstkleidung abgeben, DECT-Telefon, Unterlagen abholen, Schlüssel abgeben. Da ich seit Jahren keine Dienstkleidung mehr hatte, habe ich es gleich durchgestrichen und auch alles weitere bis auf den Schlüssel hat mich nicht betroffen. 

Also nur noch der Schlüssel.

Den Schlüssel hatte ich seit 2005. 8 Jahre habe ich mit diesem Schlüssel verbracht. Durch viele Wechsel der Schlösser habe ich immer wieder neue Schlüssel an den Schlüsselbund bekommen, andere wieder abgegeben. Der letzte grosse Wechsel war 2009 als ich von der Stroke-Unit auf die Psychiatrie wechselte.

Irgendwie ist mir der Schlüssel über die Jahre ans Herz gewachsen. Wir haben viel gemeinsam erlebt. Soweit man das von einem Schlüssel sagen kann. Jeden Tag habe ich damit die Tür in ein Stück Heimat geöffnet. Also ja, wir hatten ein Verhältnis.

Wenn man rein will, braucht man den Schlüssel. So ist das schon in Märchen.

Als ich in der Personalabteilung aufschlug, fing es an lustig zu werden. Weil Montag ist. Weil die Laune bei manchen Kollegen immer schlecht ist. Während eine Dame freundlich sagte “ Sie können den Schlüssel gleich hier lassen bei Frau W.“, maulte Frau W. gleich „gehen Sie ins Haus 14. Da geben Sie ihn ab.“ und verschwand aus dem Raum. Zurück blieben ihre verstörten Kolleginnen, die meinten dass „das jetzt nicht sein kann, oder?“. Ich schmunzelte, zuckte die Schultern und ging nach Haus 14. Da wurde mir noch ein mal bewusst, wie gross dieses Haus, mit all seinen kleinen Häusern ist. Fast wie eine Bungalow-Ferien-Anlage.

Ja, ne, schon klar, oder?

Und im Haus 14, passierte das,was symptomatisch für dieses Haus ist: #FAIL Ich hatte nämlich gar keinen Schlüssel. Nein, ich existierte nicht einmal. Also seit 2005 durchgehend angestellt, aber nicht existent in den Unterlagen. Ich glaube an dieser Stelle muss ich nicht erwähnen, was das heisst. Etwas fassungslos half ich bei der Suche nach meinem Laufschein. Nichts. Nach einer halben Stunde wurde ich dann gefunden. Anhand der Schlüsselnummer. Nur hiess ich in der Akte Niemitsch.

Etwas sprachlos konnte ich dann meinen Schlüssel endlich loswerden. Die Dame war auch etwas sehr verwundert. Aber in solchen Strukturen wundert mich nichts mehr. Rein gar nichts. Und mir wurde wieder bewusst, warum ich nicht mehr in der Klinik arbeiten will.

Ich ging noch zur PDL um dort meiner lieben Frau Zachalowsky tschüss zu sagen. Die war immer so hilfreich bei allen Fragen und achja, einfach super. Und die neue Pflegedirektorin hat mich verabschiedet mit den Worten “ Sobald sie es sich wieder einrichten können, kommen Sie zurück. Ich warte auf Sie! Sie haben hier jederzeit einen Platz.“ Achja, und von der Station werde ich mich demnächst mit einer kleinen Grillparty verabschieden. Zumindest von den Kollegen, die kommen wollen :-)

Und weil so ein klein bisschen mein Herz noch dran hängt, habe ich mir überlegt mal ab und zu auszuhelfen. Im Nachtdienst. Ohne Schlüssel. Jetzt geht es los, in eine ganz freie Arbeitszukunft. Und mit etwas gemischten Gefühlen.

 

 

 

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