SIE IST DOCH LEBENSFÄHIG!

Es gibt ja so Momente die ich so als Mutter immer wieder habe. Diese Zweifelmomente, die manchmal in Stunden und Tagen sich messen lassen. Weil manchmal bin ich mir halt nicht so sicher, dass meine Große so irgendwann mal alleine „lebensfähig“ sein wird.

Lass mich erklären: Sie ist zehn. Und mit zehn muss man ja noch nicht alles alleine machen. Weil da hast du Eltern die dich an dies und das erinnern und dir dein Pausenbrot machen und deine Wäsche waschen. Mit zehn musst du auch noch nicht deine Termine überblicken, weil deine Eltern das machen und du hast deine eigene Suchmaschine – Mama genannt.

Mit zehn bist du auch irgendwie dings. Weil dings vor der Pubertät, ein bisschen prepubertär und dings weil doch schon irgendwie groß und ein bisschen Verantwortung tragen und Sachen selbst machen wie Wäsche in den Schrank räumen und Verabredungen mit Freundinnen organisieren.

Als Mama ist für mich nicht alles immer so einfach dings und mit dings. Weil, wenn ich sage „räum deine Wäsche in den Schrank“ oder „deck den Tisch“ dann kommt ganz viel dings. Dann hat man keine Lust, macht es später, die Wäsche ist unterm Bett auch gut aufgeräumt und Tisch decken kann der kleine Bruder auch mal.

Oder dieses vergessliche. Wie es mich da manchmal in die Hölle, Hilfswort, treibt, wenn das Erinnerungsvermögen einer zehn jährigen 3 Sekunden dauert! Nach ner Stunde frag ich mal und „hab vergessen dings zu machen“ ist die Antwort. Da fällt mir ein „du hattest nur eine Sache zu machen!“ und das gibt Hölle. Weil verlassen kann ich mich darauf, sie zehn mal daran erinnern zu müssen und auch nachzufragen ob es schon gemacht wurde. Innerlich Hölle. Wahrscheinlich für beide. Ok, für beide.

Dann werde ich manchmal auch irgendwie dings. Und dings sieht irgendwann umentspannt aus. Und dann Moment des Zweifels. Wird sie jemals alleine leben können ohne sich an Lebensmitteln zu vergiften oder zu verhungern oder so?! Ich weiss es nicht.

Ich denke dann, oder versuche es zumindest, dass sie ja noch ein paar Jahre Zeit hat um all das dings zu lernen. Aber der Zweifel ist ja noch da. Krieg ich nicht so leicht los. Deshalb: Hölle. Selbstgemacht versteht sich.

Und dann kommt die zehnjährige. Lässt sie mal Zuhause mit einer Aufgabe. Nudelwasser aufsetzen. Stellst den Wecker wann und gehst aus dem Haus. Und dann öfters so der Gedanke: hoffentlich steht das Haus noch. Hoffentlich steht das Haus noch. Hoffentlich steht das Haus noch.

Gestern kam ich dann nach Hause. Haus stand noch, keine Feuerwehr oder so. Kind auch noch im Haus. Alles klar. Küche: Wasser kocht tatsächlich und sogar die Nudeln sind schon drin! Cool, denk ich da. Umdrehen: Tisch gedeckt. Krass dacht ich da. Frage, wann die Nudeln fertig sind – Antwort „hab den Wecker gestellt“.

Ok, das ist dann der Moment, an den ich mich beim nächsten Moment von Zweifel erinnern werde. Vertrauen, quasi immer Zauberwort. Weil zehnjährige, die für vier Essen kochen können, werden später auch ohne mich klar kommen. Dann. In vielen Jahren.

Und sie lebten glücklich und zufrieden. Hurra.

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