Schüttelfrust

Es ist ja immer so. Genau so.

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Es ist Freitag. Es ist bereits abends und genau jetzt. JETZT! wird eins meiner Kinder krank. Weil unter der Woche, wenn der liebe Hausarzt zu sprechen wäre, ist das ja irgendwie doof.

Gut, zwischenzeitlich mache ich das ja schon ein paar Jahre mit. Also, man kann sagen-ich kenn mich aus. Ausserdem habe ich ja mal eine medizinische Fachausbildung genossen. Und mit zwei Kindern ist man so zu sagen Profi. Und trotzdem bekomme ich jedes mal

Schüttelfrust

Ja, Schüttelfrust. So hat es mein Sohn genannt dieses Wogende. Vielleicht auch nur weil er sagen wollte das er Schüttelfrost hat und so geschüttelt hat, dass ich Frust verstanden habe.

Und dann schüttelt es mich gleich mit wenn ich das so sehe. Ich leide dann mit und natürlich mache ich mir immer Sorgen, wenn es meinen Kindern schlecht geht-wenn sie krank sind.

Und ich leide dann doppelt. Ja, doppelt weil ich dann kein Auge zukriege die ganze Nacht und am Tag beschäftigt bin mit Wäschewechsel, Tee kochen, Fiebermessen, Brühe kochen, streicheln, vorlesen, trösten, Wadenwickel, Fiebermessen, Wärmflasche machen, umziehen, kochen, Wäschewechsel, vorlesen, trösten, streicheln, …

Meine Kinder sind sehr dankbar für alles was ich für sie tue. Jede Kleinigkeit wird mit einem „Danke Mama“ quittiert. Hach, das lässt vermutlich viele Mütterherzen höher schlagen.

Viele, aber nicht meins. Ich bekomme in jedem Moment fast einen Anfall. Was für einen Anfall kann ich leider nicht sagen, es ist einfach nur FRUST.

Frust, weil ich nichts tun kann ausser Händchenhalten. Frust, weil es gefühlt immer das Wochenende ist und mein wirklich fähiger Arzt des Vertrauens natürlich nicht Sprechstunde hat. Und ganz zum Schluss, nach etwa 2 Wochen kranke-Kinder-hüten habe ich einfach nur Frust, weil es mal wieder so lange gedauert hat. Gefühlt nicht zwei Wochen, nein. Weil in so einer Zeit bist du ja an Heim und Kind gefesselt. Quasi Bondage mit unsichtbaren Schnüren in Form von müden traurigen Kinderaugen.

Naja, und ich hab ja auch zwei Kinder. Das heisst ja auch dann wenn ich so Pech habe, dass das eine den einen Rotz hat und das andere einen anderen Rotz. Und das Zuhause wird dann zum Lazarett umfunktioniert. Und da machst du dir dann noch ein Problem. Quasi Hausgemacht. Das ist was fieses, aber da denk ich als Mutter eben praktisch, das es ihnen besser geht wenn sie nicht allein sind. Und weil ich mich ja auch nicht teilen kann, steckst sie halt in ein Zimmer oder ein Bett. Wird schon der gleiche Rotz sein. Aber nein, weil dann ist das nicht der gleiche Rotz. Dann geben sie sich die sich gegenseitig die Seuchen weiter.

Aber irgendwann geht es jedem Kind mal besser und es wird wieder gesund. Und dann pass auf, dann kannst du dich nicht mehr retten. Vorher denkst du ja immer, wenn das Kind gesund wird bin ich gerettet. Das passiert dann nicht, weil wenn es dem Kind oder den Kindern dann besser geht, haben die so viele Worte über, und die Energie die sie nicht verbraten haben, von den Tagen als es ihnen schlecht ging. Und dann kommt da alles daher. Alle Worte auf einmal in einem ungebrochenen Redeschwall und einem Tempo da kannst du das rückwärts als Hardcore Techno abspielen. Ja, ganz genau!

Und sie sind dann nicht mehr zu bremsen. Die Energie setzt wieder ein und sie werden zu einem Wirbelwind. Ein Hurrikane im Haus quasi. Und dann ist: natürlich! wieder Wochenende und du findest dich vor lauter Spielzeug nicht mehr im Haus zurecht. Und der Kindergarten hat dann auch zu.

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