Nachgeburt für Väter

Das Baby ist endlich endlich endlich da. So lange hat man darauf gewartet, sich gefreut, gefiebert bei jeder Untersuchung! Dann kam Tag X (oder mehrere, je nach dem wie lange die Geburt so gedauert hat). Großes Glück – und doch bleibt die Freude aus.

Deine Partnerin ist unglücklich, traurig ja fast schon depressiv oder apathisch. So habt ihr euch das Babyglück sicher nicht vorgestellt. Denn, das Baby ist gesund und munter, sieht entzückend aus und doch stimmt was nicht.

Du versuchst alles um sie aufzumuntern, sagst ihr, wie toll sie die schwere Geburt gemeistert hat, wie sehr du dich freust und doch erreichst du nichts. Andere sagen, wie froh und glücklich ihr sein müsst, endlich mit dem Baby zu dritt. Dich beschleicht so langsam mehr und mehr das Gefühl, das sie alle keine Ahnung haben, weil du weisst, das es nicht einfach war und ist.

Die Geburt kam dir vor wie Dawn of the Dead. Zombie Apokalypse Now nichts dagegen. Alle rannten rum, riesige Hektik im Kreißsaal und es hat eine Ewigkeit gedauert. Du hast nix nicht verstanden und keiner hat dir was erklärt. Und du weisst auch nicht wer mehr Zombie war: Du, deine Frau oder das Personal?

Naja, ist ja rum kann man sagen, Baby gesund und du machst ja auch alles um sie glücklich zu machen. Sie wollte Mutter sein, ist sie ja jetzt, also alles gut. Aber jetzt heult sie nur, ist sichtlich unglücklich. Wie so ein Zombie – Hilfsausdruck.

Wer oder was hat dir deine tolle Frau, die jetzt Mutter deines Kindes ist, geklaut?! So war das doch nicht geplant.

Und sie kann auch nicht wirklich was sagen. Haben die Kreißsaal-Zombies ihr Hirn geklaut? Ihr Herz? Keiner kann dir erklären was los ist. Langsam kommst du dir vor wie der letzte Depp.

Und dann ist da so unausgesprochen das Wort „Trauma“. Trauma ist, wenn (d)ein Traum zerplatzt und alles alles anders ist.

Wie erklärt man auch schon ein „Trauma“ und Unglücklichsein und Trauer in einer Lage, in der man ja superglücklich sein soll?

Siehst du, genau da liegt der Hund begraben. Da spielen auch noch zwei Sachen gegen dich. Weil, du hast das Kind ja nicht bekommen und hängst nicht in der Hormonspirale und der Schlaflosigkeit und Stillen und so drin. Und wie die Geburt so objektiv gesehen war, also analysiert – das kann man ja gar nicht so beschreiben und sagen, da fehlen einem die Worte.

Dann sind ja noch die Anderen, die sagen „ach, so toll“, „so schnuckelig“, „sei froh und freu dich“, „Hauptsache, dem Baby geht es gut!„. Welche Drogen haben die denn genommen…

Weil keiner will und wird dir sagen, wie das so war. Entweder weil sie noch keine Ahnung haben oder weil sie es verdrängt haben oder tatsächlich weil es gut gelaufen ist. Kann ja mal passieren. Ist halt dir nicht passiert. Und jetzt hast du vielleicht auch nen Knacks weg.

Was helfen kann ist reden, auch den „Anderen“ zu sagen, dass es anstrengend war. Das da nix hübsches dran ist und das man Hilfe braucht. Deiner Frau kannst du sagen, wie es für dich war und sie wird dich verstehen. Vielleicht heult ihr mal ne Runde zusammen; vielleicht holt ihr euch Hilfe. Und wenn man so unter sich ihr, also auch mit Männern, kommen die Geschichten schon zum Vorschein und du wirst merken, du bist nicht allein.

 

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