Lego-oder wie ich Ballett tanzen lernte

Wer Kinder hat kommt heute kaum an Lego vorbei. Die einen aus Nostalgie – weil sie selbst als Kinder damit gespielt haben. Die anderen – weil es die einzige wirkliche Berechtigung ist, mal wieder richtig zu spielen.

Lego ist heute anders als das Lego von damals. Früher hatten wir einfach Lego. Quasi Lego Pur. Einfach viele viele Steine. In ein paar Farben. Und ein paar Platten zum bebauen. Das war´s. Lego Pur.

Heute gibt es Bastelsets mit genauen Anleitungen wie Stein auf Stein gebaut werden soll. Manchmal frage ich mich, wo die gute alte Fantasie dabei bleibt, bei all den Komplettpaketen?! Und dann ist Lego getrennt. Gender und so. Mädchen bekommen lila und Prinzessinnen und Jungs Fahrzeuge.

Schade eigentlich.

Was aber gleich geblieben ist, ist die Zahl der Eltern, die nachts – aus welchen Gründen auch immer – in die Kinderzimmer gehen. Im Dunkel. Klar, keiner will den Nachwuchs wecken oder es muss ganz schnell gehen oder man findet den Lichtschalter nicht.

Und dann passiert es: Die Lego-Steine greifen an! 

Plötzlich, wie aus dem Nichts, formieren sie sich auf dem Boden zu einer gemeingefährlichen Angreifertruppe. Wild verstreut in Gruppen liegen sie auf der Lauer bis Elternfüsse nachts kommen und auf sie treten.

Wer also des Nächtens ein Kinderzimmer betritt muss zwangsläufig, entweder das Licht anmachen und das Kind wecken oder sich der Übermacht der Legosteine stellen. Die meisten Eltern vermeiden es das Licht anzumachen, dazu zähle ich auch mich um das Kind uns sich selbst nicht einem Lichtschock auszusetzen. Das bedeutet in meinem Fall ganz konkret, dass ich immer auf die Legoarmee treffe.

Lautes schreien ist leider keine Option denn auch das würde das Kind wecken und ein baldiges wieder-zu-Bett-gehen höchst wahrscheinlich verhindern. Selbst gut vorbereitet auf das was mich auf dem Boden des Zimmers erwartet übersehe ich garantiert eines dieser Sternchen und dann:

Ballett vom Feinsten!

Denn sobald man auf einen Legostein getreten ist, ist der nächste nicht weit und durch den Schmerz wanke ich dann immer und zwar ungewollt zielsicher auf das nächste und nächste und nächst. AUUUAA will ich dann schon mal gerne schreien, verkneife es mir um mein Kind nicht zu wecken.

Auf dem Rückweg passiert dann man dann noch mehr dieser kleinen Steine und Gruppen dieser Steine und tritt sicher noch mal drauf. Sicher. Murphys Gesetz. Und wer schon mal auf ein Lego getreten ist weiss: Man tanzt Ballett. Gewichtsverlagerung, Balance, der Versuch nicht zu schreien oder zu fluchen macht es einem fast unmöglich normal und aufrecht durch die Sache zu kommen ;-).

Es ist schon Abend. Heute werde ich Glück haben, denn wir waren das ganze Wochenende nicht da und das Kind hat keine Steine im Zimmer verteilt.

Kommt heute gut durch das Kinderzimmer und bildet notfalls vor dem Schlafengehen eine Rettungsgasse.

 

 

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