Kindergeburtstag?!

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Kindergeburtstag(e) kommen jedes Jahr wieder. Und jedes Jahr gilt es, die letzte Geburtstagsparty zu toppen. Nicht nur die, die man selbst letztes Jahr mit viel Aufwand, Vorbereitung und Organisation geschmissen hat, sondern auch die, die von anderen Eltern für ihre Kleinen organisiert wurde.

Früher war alles besser

Früher… Da haben wir unsere Freunde eingeladen, uns Spiele ausgedacht oder sind in diesem „Draussen“ rumgezogen und haben Spass gehabt. Die Eltern waren da um aufzupassen, dass keine Katastrophen passieren. Sie haben sich um den Proviant gekümmert und sich bei kleinen Dingen geholfen. Kindergeburtstage mit Freunden wurden gefeiert, wenn man so sechs oder sieben wurde. Bis dahin verbrachten wir den Geburtstag mit der Familie. So sind zumindest meine Erinnerungen daran.

Zeiten ändern sich

Heute ist anders. Alles ist anders. Auch die Kinder von damals, die heute Eltern sind sind anders. Viele fügen sich Geburtsatgstrends. Und der Trend geht zu mehr, mehr, mehr. Einfach mehr von Allem.

Die Wohnung oder das Haus werden bis ins kleine Detail dekoriert. Passendes Einweg-Geschirr wird angeschafft. Kistenweise wird Zeug angeschleppt um das Thema zu treffen. Alles wird auf den Kopf gestellt.

Heute werden Kindergeburtstage schon mit einem Jahr gross gefeiert. Da wird die ganze Krabbelgruppe, nebst Kita, Freunden mit Kindern und die Familie eingeladen. Das gibt eine enorme Zahl an Personen, die auf der Matte stehen um den Geburtstag zu begehen.

 

Begehen – kein treffendes Wort. Denn man steht sich auf den Füssen. Muss aufpassen nicht über das Wuseln auf Kniehöhe zu stolpern und sich ernsthaft zu verletzten. Man muss den Überblick bewahren, alle glücklich machen und die perfekte Familie darstellen. Alles voller Harmonie.

Harmonie für einen Tag

An diesem Tag muss alles stimmen. Die Frisur muss sitzen, das Outfit der Familie aufeinander abgestimmt sein und die Wohnung Krümel und Staubfrei. Schon am Morgen geht die Post ab! Der Stress – denn was anderes ist es nicht. Und nicht vergessen: immer lächeln. Egal was kommt.

Egal ob die Kinder quengeln, schreien, die Wohnung verwüsten, den Boden vollkotzen. Immer schön lächeln und die Contenance bewahren.

Und wofür das Ganze?

Für das eigene Ego und die anderen. Für das Kind, das bitte glücklich sein soll über die Mühen, die Eltern dabei auf sich nehmen. Und keiner fragt sich, ob es im Sinne des Kindes ist. Ob die Flut an Reizen einfach zu viel ist. Menschen, Geschenke, Lautstärke, etc. pp.

Neulich hat mir ein Freund von der Geburtstagsparty seiner vierjährigen Tochter erzählt. 11 Kinder samt Eltern, Musik, Spiele, Rundumprogramm. Und am Ende: 11 gestresste, überdrehte, heulende Kinder. Eltern, die nett lächelten aber deren Gesichter völlig überfordert waren. Vom Lärm der Kinder und der eigenen Überforderung damit umzugehen.

Kolateralschäden inklusive

Es ging auch das eine oder andere zu Bruch. Lässt sich nicht vermeiden und man nimmt es billigend in Kauf. Am Abend noch die Nachbereitung: 3 Stunden aufräumen und die eigenen Kinder wieder runterzuholen. Damit sie zur Ruhe kommen. Hat auch ne Weile in Anspruch genommen. Hauptsache alle sind glücklich.

Stress lass nach!

Es dauert nach so einer Party bis man sich wieder erholt hat. Schliesslich sind wir Eltern, arbeiten, leiden unter Schlafmangel und haben kein eigenes Leben mehr. Noch eine Woche später hat mein Freund mir von den Strapazen des Geburtstags erzählt. Und nach zwei Wochen wieder.

Was tun wir uns da an als Eltern und was tun wir unseren Kindern an? Diese Frage ist wirklich schwer zu beantworten. Jeder versucht ja sein bestes und wir sind ja auch angewiesen auf ein bisschen soziales Leben. Immerhin kann man sich a mal unterhalten bei so einem Kindergeburtstag. Austauschen. Nee, klappt nicht. Aber immerhin hat man ja die Illusion darüber.

Wie mache ich mich selbst glücklich?

Mein Zauberwort heisst Outsourcing. Ich feiere die Geburtstage auswärts. Es muss nicht immer das grosse Programm sein. Es reicht ein Besuch auf dem Bauernhof. Eine Führung durch ein Museum, etc. pp. Das Angebot für Kindergeburtstage wird immer grösser. Das tolle für mich und meine Kinder ist, dass ich nicht ständig dastehe und alles und ständig koordiniere, sortiere und organisiere. Sie können frei spielen und bekommen meist ein kleines Programm geboten. Das macht alles Spass und wir gehen alle glücklich nach Hause. Wir sprechen über den Geburtstag, die Highlights und sind alle entspannt. Und zuhause ist alles sauber.

Ich setzte eine Grenze. Es werden Kinder nach Alter eingeladen. Mit fünf kommen fünft, mit sieben dürfen sieben kommen. Damit gibt es kein Chaos und so gut wie kein Streit. Und falls es mal ein Freund oder eine Freundin mehr sein müssen, bleibt es trotzdem überschaubar.

Das tolle am Outsourcing und einer überschaubaren Zahl an Kindern ist auch, dass andere Eltern nicht mitkommen müssen. Ich muss mich nicht profilieren. Mit alles ein Gespräch anfangen, dass ich eh nicht zu Ende führen kann.

Und dann feiern wir ganz in Ruhe und als Familie unseren eigenen gemeinsamen Geburtstag. Im kleinen Kreis, mit ganz viel Liebe, Ruhe und Gelassenheit.

Bald werden meine Kinder so gross sein, dass sie ihre Geburtstage selbst planen können. Ich werde ihnen gerne helfen schöne Geburtstage zu planen und zu organisieren. Ohne Wahn, Druck und Zwang besser zu sein als ihre Freunde.

 

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