Es ist schon wieder was passiert…

… und wie so oft, verstehe ich nie ganz wie und wieso „mir“ das passiert. Es ist eigentlich meinem Sohn passiert. Der Reihe nach:

An dem Tag gab es die jährliche Feuerschutzübung. Der Kindergarten und die Schule meiner Kinder sind in einem Gebäude untergebracht.

Gestern hatte ich einen Termin, weswegen ich eine befreundete Mutter aus dem Kindergarten gebeten habe, meinen Sohn mitzunehmen.

Also, holte ich meinen Sohn bei seinen Freunden ab. Die Mutter begrüsste mich und gab mir eine Karte, die meine Tochter für mich geschrieben hatte. Die Karte sah recht nett aus, ich wollte sie später zuhause lesen, öffnete die Karte doch und ich glaube, nach etwa 5 Sekunden war mir sämtliche Gesichtsfarbe entwichen.

Meine Große schrieb: “ Als heute Feueralarm war und ich ((meinen Bruder)) besucht habe und wieder zurück kam und spielte, da tippte mich ein Junge aus meiner Klasse an und sagte, dass XY (eine Erzieherin) {meinen Bruder} verkloppte und dass sie gesagt hat: „Und du sagst zuhause nichts, sonst kriegen wie echt Probleme“. Bitte tu etwas dagegen! “

Ich las den Text noch mal. Ich sah sie an und las ihr den Text laut vor. Vielleicht würde ich es ja dann glauben können, denn bis dahin konnte ich es nicht.

Ich ging raus zu den Kindern und fragte meinen Sohn ob heute etwas passiert ist. Während der Feuerübung.

“ Ja, die XY hat mich am Ohr gezogen und das tut immer so weh. Und immer macht sie das und das tut so weh!! „

Mein Sohn verneinte, dass sie Druck auf ihn ausgeübt hat, es zuhause nicht zu erzählen. Wenigstens das, dachte ich.

Ich lies mir die ganze Geschichte erzählen, die ging so:

“ Ich habe einen Stock auf dem Hof gefunden und wollte den Durchbrechen und die hat mir das nicht erlaubt. Dann hat sie ihn mir aus der Hand gerissen und meinen Arm nach hinten gedreht und mein Ohr gezogen! Das macht sie immer bei mir! “

Ich lies die Kinder weiterspielen und setzte mich auf eine Bank auf der Terrasse. Als Mutter war ich schockiert. Als „Fachfrau“ war ich entsetzt! Mir schwoll der Kamm. Ich verstand die Welt nicht mehr. Meine heile Welt. In einem „heilen“ Kindergarten.

Ich fuhr bald darauf mit meinem Sohn nach Hause. Am liebsten wäre ich zu der Erzieherin gefahren und hätte sie zur Rede gestellt. Ich war wütend und enttäuscht.

Ich musste Abstand bekommen. Als Mutter waren meine Sicherungen am Durchbrennen. Ich sagte mir, ich muss klar denken, analytisch werden, die Situation aus neutralem Blickwinkel betrachten.

Aber geht das? Kann ich das? Muss ich das? Muss ich zuschauen, wenn meinem Kind weh getan wird?! Und darf ich das überhaupt offen ansprechen? Ich fragte mich, wie es wohl anderen Eltern in der Situation gehen würde? Da bin auch ich ziemlich ratlos, so als Mutter.

Was würdet ihr tun?

Ich bin keine Glucke und habe auch keinen Helikopterführerschein.

Ich analysierte, überdachte, versuchte zu verstehen, neutral zu denken. Aber es gelang mir nicht. Weil meine Gefühle als Mutter, die absolut gegen Gewalt ist, mich mitrissen. Ich erzählte es meinem Mann als der auf dem Weg nach Hause war. Er war sprachlos.

Die Sache kam auf den Tisch, bleibt aber ohne Konsequenzen, denn Kinder haben eine „blühende Fantasie“ bzw. es ist in dem Fall nicht nachweisbar.

Es meldete sich noch eine andere Mutter und erzählte, dass ihr Sohn auch schon von Erzieherin XY die Ohren lang gezogen bekommen hat. Sie wollte es nicht auf die Goldwaage legen und hat sich gedacht, dass sei bestimmt ein einmaliger Ausrutscher gewesen. Gewalt wird viel zu oft stillschweigend hingenommen.

Einmal ist nicht keinmal. Gewalt und Übergriffen jedweder Art sind immer absolut intolerabel. Jeden Tag werden Kinder misshandelt, verletzt und erleben Übergriffe körperlicher und verbaler Art. Von Eltern, Erziehern und Pädagogen. Wenn wir mit unseren Kindern so umgehen, dann können wir nicht erwarten, dass sie es später besser machen. Jedes Mal ist einmal zuviel.

 

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